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14 september 2026

Formaldehyd im Haushalt: Was ist das und wann kann es gesundheitsschädlich sein?

Leestijd: 8 minuten

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens in Innenräumen. Ob zu Hause, im Büro oder in anderen Gebäuden: Die Qualität der Raumluft spielt eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

Dabei denken wir oft an Staub, Feuchtigkeit oder Schimmel. Weniger bekannt ist, dass auch verschiedene chemische Stoffe in die Raumluft gelangen können. Einer davon ist Formaldehyd.

Formaldehyd kann unter anderem aus Möbeln, Holzwerkstoffen, Bodenbelägen, Wandverkleidungen und verschiedenen Bau- und Einrichtungsprodukten freigesetzt werden. Doch was genau ist Formaldehyd, wo kommt es in der Wohnung vor und wann kann es gesundheitlich problematisch werden?

Was ist Formaldehyd?

Formaldehyd ist ein farbloses, leicht flüchtiges Gas mit einem stechenden Geruch. Es gehört zu den flüchtigen organischen Verbindungen, kurz VOC.

Der Stoff wird seit vielen Jahren bei der Herstellung unterschiedlicher Produkte und Materialien eingesetzt. Deshalb kann Formaldehyd auch in der Raumluft von Wohnungen vorkommen.

Ob eine Belastung gesundheitlich problematisch ist, hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Konzentration ist und wie lange man dem Stoff ausgesetzt ist.


Woher kommt Formaldehyd in der Wohnung?

Eine wichtige Quelle sind Holzwerkstoffe, bei denen Holzfasern oder Holzpartikel mithilfe von Klebstoffen miteinander verbunden werden. Dazu gehören beispielsweise Spanplatten und andere Holzwerkstoffe, die für Möbel, Schränke, Böden oder Wandverkleidungen verwendet werden.

Darüber hinaus kann Formaldehyd unter anderem aus folgenden Produkten freigesetzt werden:

  • Möbeln und Holzwerkstoffen
  • Klebstoffen
  • Farben und Beschichtungen
  • Bodenbelägen
  • Textilien und Teppichen
  • Dämm- und Baumaterialien

Insbesondere neue Möbel und neu verbaute Materialien können anfangs größere Mengen verschiedener Stoffe an die Raumluft abgeben.

Formaldehyd kann außerdem bei Verbrennungsprozessen entstehen. Auch das Rauchen in Innenräumen, Kochen sowie das Abbrennen von Kerzen kann die Belastung der Raumluft vorübergehend erhöhen.

Welche Beschwerden kann Formaldehyd verursachen?

Formaldehyd kann vor allem die Schleimhäute und Atemwege reizen.

Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:

  • brennende oder tränende Augen
  • gereizte Nase
  • Kratzen oder Brennen im Hals
  • Reizungen der Atemwege
  • Kopfschmerzen
  • ein allgemeines Unwohlsein

Wichtig ist allerdings: Solche Beschwerden können viele verschiedene Ursachen haben. Allein anhand der Symptome lässt sich deshalb nicht feststellen, ob Formaldehyd dafür verantwortlich ist.

Wenn Beschwerden beispielsweise hauptsächlich in einem bestimmten Raum auftreten und sich bessern, sobald man sich längere Zeit nicht dort aufhält, kann es sinnvoll sein, die Raumluft und mögliche Schadstoffquellen genauer zu untersuchen.

Kann Formaldehyd Krebs verursachen?

Formaldehyd ist als krebserzeugender Stoff eingestuft. Eine langfristige beziehungsweise hohe Belastung kann das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen erhöhen, insbesondere im Bereich des Nasen-Rachen-Raums.

Das bedeutet jedoch nicht, dass beispielsweise ein Möbelstück aus Spanplatte automatisch ein Gesundheitsrisiko darstellt. Entscheidend sind unter anderem die Konzentration des Formaldehyds in der Luft und die Dauer der Exposition.

Aus diesem Grund gibt es in Deutschland Richtwerte, die dazu beitragen sollen, die Belastung der Bevölkerung möglichst gering zu halten.

Welche Richtwerte gelten in Deutschland?

In Deutschland bewertet der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) die gesundheitliche Bedeutung verschiedener Schadstoffe in der Innenraumluft. Der Ausschuss besteht aus Expertinnen und Experten des Bundes und der Bundesländer und ist beim Umweltbundesamt angesiedelt.

Für Formaldehyd gilt derzeit ein Innenraumrichtwert von 0,10 mg/m³ beziehungsweise 100 µg/m³. Dieser Wert soll auch bei einer kurzfristigen Belastung über einen Zeitraum von 30 Minuten nicht überschritten werden.

Darüber hinaus gelten seit 6. August 2026 erstmals EU-weit einheitliche Anforderungen an Formaldehydemissionen aus bestimmten Produkten. Für Gegenstände und Möbel auf Holzbasis gilt dabei ein Emissionsgrenzwert von 0,062 mg/m³, für andere Artikel 0,080 mg/m³.

Diese Vorgaben sollen dazu beitragen, die Formaldehydemissionen von Produkten zu reduzieren und Verbraucherinnen und Verbraucher besser zu schützen.


Was können Sie selbst gegen Formaldehyd in der Raumluft tun?

Eine der einfachsten Maßnahmen ist regelmäßiges und richtiges Lüften. Durch den Austausch der Raumluft können Schadstoffe, die innerhalb der Wohnung freigesetzt werden, nach draußen abgeführt werden.

Besonders wichtig ist ausreichendes Lüften:

  • nach dem Aufstellen neuer Möbel
  • nach Renovierungsarbeiten
  • nach dem Verlegen eines neuen Bodenbelags
  • nach dem Streichen
  • beim Einsatz neuer Holzwerkstoffe

Achten Sie beim Kauf von Möbeln, Holzwerkstoffen und anderen Produkten für den Innenraum außerdem auf emissionsarme Materialien und entsprechende Produktkennzeichnungen.

Auch das Verhalten im Alltag kann einen Unterschied machen. Vermeiden Sie möglichst das Rauchen in Innenräumenund sorgen Sie beim Kochen für eine gute Lüftung.

Kerzen müssen Sie natürlich nicht grundsätzlich aus Ihrem Zuhause verbannen. Bedenken Sie jedoch, dass beim Verbrennen von Kerzen verschiedene Stoffe in die Raumluft gelangen können. Regelmäßiges Lüften hilft dabei, die Raumluft anschließend wieder zu verbessern.

Warum ist gutes Lüften so wichtig?

Moderne Gebäude sind häufig sehr gut abgedichtet. Das spart Energie, kann aber gleichzeitig dazu führen, dass Schadstoffe weniger schnell aus der Raumluft verschwinden.

Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass ein ausreichender Luftaustausch für die Innenraumhygiene wichtig ist. Gerade bei emissionsarmen Bau- und Einrichtungsprodukten spielt die Reduzierung von Schadstoffemissionen eine wichtige Rolle.

Regelmäßiges Lüften ist daher eine einfache und effektive Maßnahme, um die Qualität der Raumluft zu verbessern.

Fazit: Wie gefährlich ist Formaldehyd im Haushalt?

Formaldehyd ist ein Stoff, der in vielen Bereichen unseres Alltags vorkommen kann. Vor allem neue Möbel, Holzwerkstoffe und bestimmte Bau- und Einrichtungsprodukte können Formaldehyd an die Raumluft abgeben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Wohnung mit Formaldehyd automatisch gesundheitsschädlich ist. Entscheidend ist die tatsächliche Belastung und wie lange man dieser ausgesetzt ist.

Mit einfachen Maßnahmen können Sie selbst dazu beitragen, die Belastung möglichst gering zu halten: regelmäßig lüften, emissionsarme Produkte wählen und auf das Rauchen in Innenräumen verzichten.

Wenn Sie über längere Zeit Beschwerden wie gereizte Augen, Nase oder Hals oder Atemwegsprobleme haben und vermuten, dass diese mit Ihrer Wohnung oder Ihrem Arbeitsplatz zusammenhängen könnten, sollten Sie die Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Eine gute Raumluft ist ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Wohnumfelds – und mit wenigen einfachen Gewohnheiten können Sie selbst viel dazu beitragen.

Formaldehyd im Haushalt, Krebs, Atemwegsprobleme, Schadstoffe
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