
Hantavirus und die Andes-Variante: Was Sie wissen sollten
Leestijd: 7 minutenIn den vergangenen Tagen taucht der Begriff Hantavirus immer häufiger in den Nachrichten auf. Grund dafür ist vor allem ein Ausbruch auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff MV Hondius, bei dem mehrere Menschen schwer erkrankt sind und auch Todesfälle gemeldet wurden. Für viele wirft das Fragen auf – insbesondere, da die Erinnerungen an das Coronavirus noch präsent sind. In diesem Blogbeitrag beantworten wir zentrale Fragen: Was genau ist das Hantavirus, wie erfolgt eine Ansteckung und besteht Anlass zur Sorge?
Was ist das Hantavirus?
Beim Hantavirus handelt es sich nicht um ein einzelnes Virus, sondern um eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe verwandter Viren, die weltweit vorkommen. Die Übertragung erfolgt nahezu immer über Nagetiere wie Rötelmäuse, Haus- und Wanderratten oder Feldmäuse. Diese Tiere tragen das Virus in sich, ohne selbst zu erkranken, und scheiden es über Urin, Kot oder Speichel aus.
Menschen infizieren sich in der Regel durch das Einatmen virusbelasteter Staubpartikel. Dies kann beispielsweise beim Reinigen geschlossener Räume geschehen, in denen sich zuvor Mäuse oder Ratten aufgehalten haben. Anders als viele andere Viren wird das Hantavirus normalerweise nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Die durch Hantaviren verursachte Erkrankung ist unter anderem als Hantavirus Pulmonary Syndrome (HPS) bekannt – eine schwere Lungenerkrankung. Die Symptome beginnen häufig unspezifisch und ähneln einer Grippe: Fieber, Muskelschmerzen und Erschöpfung. Gerade das macht die Erkrankung tückisch. Im weiteren Verlauf kann sich der Zustand plötzlich verschlechtern und zu schweren Atemproblemen sowie in manchen Fällen Herzkomplikationen führen, da sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt.

Die Andes-Variante: Warum sie besonders ist
Unter den Hantaviren gibt es eine Variante mit besonderem Verhalten: das Andesvirus. Dieses kommt vor allem in Teilen Südamerikas vor, insbesondere in Argentinien und Chile.
Besonders am Andesvirus ist, dass es – im Gegensatz zu anderen Hantaviren – von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dies geschieht jedoch nicht leichtfertig, sondern meist nur bei engem und längerem Kontakt, etwa innerhalb von Familien oder zwischen Partnern.
Hinzu kommt, dass der Krankheitsverlauf häufig schwer ist. In einigen Ausbrüchen lag die Sterblichkeitsrate bei etwa 30 bis 40 Prozent. Das bedeutet nicht, dass jede infizierte Person verstirbt, verdeutlicht jedoch, wie ernst Infektionen mit der Andes-Variante genommen werden sollten.
Was geschah auf der MV Hondius?
Der jüngste Ausbruch auf der MV Hondius hat das Thema Hantavirus erneut in den Fokus gerückt. Während einer Expeditionskreuzfahrt mit Aufenthalten in südamerikanischen Regionen erkrankten mehrere Passagiere. Insgesamt wurden mindestens sieben Infektionen bestätigt oder vermutet; mehrere Personen sind verstorben.
Forschende gehen davon aus, dass die erste Infektion vermutlich bereits vor dem Boarding stattgefunden hat – wahrscheinlich in einer südamerikanischen Region, in der das Andesvirus vorkommt. Dies entspricht dem bekannten Übertragungsmuster über Nagetiere.
Besonders an diesem Fall ist, dass es Hinweise darauf gibt, dass sich das Virus anschließend möglicherweise in begrenztem Umfang auch zwischen Menschen an Bord verbreitet hat. Ein Kreuzfahrtschiff bietet hierfür relativ günstige Bedingungen: enger Kontakt, gemeinsame Räume und längere Aufenthaltsdauer. Genau unter solchen Umständen kann die Andes-Variante – wenn auch selten – von einer Person auf eine andere übergehen. Dennoch ist wichtig, dies einzuordnen: Selbst in diesem Umfeld scheint die Verbreitung begrenzt geblieben zu sein.
Warum dies keine neue Pandemie ist
Angesichts der aktuellen Berichterstattung sorgen sich manche Menschen, dass dies der Beginn eines neuen weltweiten Ausbruchs ähnlich wie COVID-19 sein könnte. Dafür gibt es derzeit jedoch keine Hinweise.
Hantaviren und auch das Andesvirus verhalten sich grundlegend anders als klassische Atemwegsviren wie Influenza oder SARS-CoV-2. Sie verbreiten sich deutlich weniger effizient. Während sich SARS-CoV-2 leicht über Aerosole zwischen Menschen ausbreiten kann, erfordert das Andesvirus in der Regel engen und länger andauernden Kontakt.
Nach Angaben der World Health Organization (WHO) ist das Risiko für die Allgemeinbevölkerung gering. Die meisten Infektionen stehen weiterhin im Zusammenhang mit spezifischen Situationen, etwa Kontakt mit Nagetieren oder sehr engem Kontakt zu infizierten Personen.

Wie hoch ist das Risiko in Europa?
Für Menschen in den Niederlanden und im übrigen Europa ist das Risiko einer Infektion mit der Andes-Variante derzeit sehr gering. Das Virus kommt hier natürlicherweise nicht vor.
Zwar existieren auch in Europa Hantavirus-Varianten, diese unterscheiden sich jedoch vom Andesvirus und werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Restrisiko besteht lediglich in Ausnahmefällen, beispielsweise bei Reisen in betroffene Regionen oder bei engem Kontakt mit infizierten Personen.
Die aktuell hospitalisierten Patientinnen und Patienten werden nach strengen Isolations- und Quarantäneprotokollen behandelt, wodurch das Ansteckungsrisiko zusätzlich minimiert wird.
Was können Sie selbst tun?
Für die meisten Menschen sind keine drastischen Maßnahmen erforderlich. Entscheidend ist vor allem, den Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden – insbesondere in Regionen, in denen Hantaviren vorkommen.
Wer nach Südamerika reist oder sich in naturnahen Gebieten aufhält, sollte beim Reinigen von Hütten, Lagerräumen oder anderen geschlossenen Bereichen besonders vorsichtig sein. Empfehlenswert sind ausreichende Belüftung, Schutzmasken und das Vermeiden von trockenem Aufwirbeln von Staub.
Im europäischen Alltag ist das Risiko, mit dem Andesvirus in Kontakt zu kommen, hingegen praktisch vernachlässigbar.
Fazit
Die jüngsten Ereignisse auf der MV Hondius zeigen, wie ein seltenes Virus plötzlich weltweite Aufmerksamkeit erhalten kann. Das Hantavirus – insbesondere die Andes-Variante – ist zweifellos ernst zu nehmen und kann gefährlich sein.
Gleichzeitig handelt es sich nicht um ein Virus, das sich leicht in der Allgemeinbevölkerung verbreitet. Die wichtigste Erkenntnis lautet daher: Informiert zu sein ist sinnvoll – Panik ist jedoch nicht angebracht.