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21 september 2026

Kannst du dein Risiko, an Demenz zu erkranken, verringern?

Leestijd: 8 minuten

Demenz wird oft als etwas angesehen, das einen einfach trifft und auf das man nur wenig Einfluss hat. Und ja, das Alter und die genetische Veranlagung spielen tatsächlich eine wichtige Rolle. Dennoch wissen Wissenschaftler immer mehr über Faktoren, die das Risiko, an Demenz zu erkranken, erhöhen oder verringern können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Juli 2026 neue Empfehlungen zur Verringerung des Demenzrisikos veröffentlicht. Darin heißt es, dass bis zu etwa 45 Prozent des Risikos mit Faktoren zusammenhängen, die mehr oder weniger beeinflussbar sind. Dabei geht es nicht nur um den Lebensstil, sondern beispielsweise auch um Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust und Luftverschmutzung.

Das bedarf allerdings einer gewissen Erklärung. Es bedeutet nämlich nicht, dass 45 Prozent aller Demenzerkrankungen einfach durch eine gesunde Lebensweise verhindert werden können. Demenz entsteht meist durch eine Kombination verschiedener Faktoren. Einige davon können wir beeinflussen, andere nicht.

Was ist Demenz eigentlich?

Demenz ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Die Alzheimer-Krankheit ist die bekannteste und häufigste Form. Bei einer Demenz werden verschiedene Funktionen des Gehirns zunehmend beeinträchtigt. Dadurch können Probleme mit dem Gedächtnis, der Sprache, dem Denken, dem Planen und der Ausführung alltäglicher Tätigkeiten entstehen.

Das Alter ist nach wie vor der wichtigste Risikofaktor. Je älter du wirst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Auch die genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen. Auf das Alter und genetische Faktoren haben wir keinen Einfluss. Bei anderen Risikofaktoren sieht das anders aus.


Die Rolle von Herz und Blutgefäßen

Viele Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, stehen offenbar auch mit Demenz in Zusammenhang. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel, Diabetes, Rauchen und starkes Übergewicht. Dieser Zusammenhang ist weniger überraschend, als es vielleicht scheint. Unser Gehirn benötigt ständig Sauerstoff und Nährstoffe, die über die Blutgefäße zugeführt werden. Wenn Blutgefäße geschädigt werden, kann das auch Auswirkungen auf das Gehirn haben. Insbesondere langfristig erhöhter Blutdruck im mittleren Lebensalter wird in Studien mit einem höheren Demenzrisiko in Verbindung gebracht.

Der niederländische Gesundheitsrat empfiehlt deshalb, bestehende Maßnahmen gegen Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Adipositas weiterhin konsequent einzusetzen. Das kann nicht nur der Gesundheit des Gehirns zugutekommen, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Erkrankungen verringern.

Bewegung hilft auf mehreren Ebenen

Regelmäßige Bewegung tut gut. Sie hilft unter anderem dabei, den Blutdruck und das Körpergewicht im gesunden Bereich zu halten. Dadurch kann Bewegung auch dazu beitragen, das Demenzrisiko zu verringern. Es lässt sich allerdings nicht genau sagen, wie viel jemand sich bewegen muss, um Demenz vorzubeugen. Der Zusammenhang ist dafür zu komplex. Die WHO empfiehlt jedoch, körperlich aktiv zu bleiben und Bewegung als Teil eines gesunden Lebensstils zu betrachten. Das bedeutet nicht, dass du intensiv Sport treiben musst. Auch Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen, Gartenarbeit und andere Formen regelmäßiger Bewegung zählen dazu.

Hörverlust verdient mehr Aufmerksamkeit

Ein weniger offensichtlicher Risikofaktor ist Hörverlust. Schon seit längerer Zeit wird unbehandelter Hörverlust mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer Demenz in Verbindung gebracht. Warum genau das so ist, wissen Forscher noch nicht vollständig. Möglicherweise müssen die Gehirne stärker arbeiten, um Geräusche zu verarbeiten, wenn jemand schlechter hört. Hörverlust kann außerdem dazu führen, dass du weniger leicht an Gesprächen und sozialen Aktivitäten teilnimmst. Dadurch kann soziale Isolation entstehen, die ihrerseits ebenfalls mit einem höheren Demenzrisiko in Verbindung gebracht wird. Die Verwendung eines oder zweier Hörgeräte kann möglicherweise dazu beitragen, einen weiteren Abbau zu begrenzen. Auch Sehprobleme werden inzwischen als ein Faktor genannt, der möglicherweise eine Rolle spielt.

Halte auch dein Gehirn aktiv

Neben körperlicher Aktivität scheinen auch geistige und soziale Aktivitäten wichtig zu sein. Neue Dinge zu lernen, zu lesen, Musik zu machen, einen Kurs zu besuchen, Rätsel zu lösen oder andere Aktivitäten auszuüben, die dein Gehirn fordern, können dazu beitragen, dass dein Gehirn aktiv bleibt. Auch soziale Kontakte scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Lang anhaltende Einsamkeit wird in Studien mit einem höheren Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Regelmäßiger Kontakt mit Familie, Freunden, Nachbarn, Kollegen oder Menschen in einem Verein kann deshalb mehr für deine Gesundheit bedeuten als nur nette Gesellschaft.


Rauchen, Alkohol und Ernährung

Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch mit Demenz besteht ein Zusammenhang. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist daher nicht nur gut für deine Lunge und dein Herz, sondern möglicherweise auch für dein Gehirn. Bei Alkohol gilt vor allem, dass ein übermäßiger Konsum das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöht. Weniger Alkohol zu trinken oder ganz darauf zu verzichten, passt daher zu den Empfehlungen, das Demenzrisiko zu verringern. Auch eine gesunde Ernährung bleibt wichtig. Es gibt kein bestimmtes Lebensmittel, mit dem du Demenz verhindern kannst. Eine gesunde Ernährungsweise hilft vor allem dadurch, dass sie andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes verringern kann.

Kannst du Demenz also verhindern?

Dafür können Wissenschaftler leider keine Garantie geben. Du kannst dich gesund ernähren, dich viel bewegen, nicht rauchen und trotzdem an Demenz erkranken. Umgekehrt bekommt längst nicht jeder Mensch mit Bluthochdruck, Übergewicht oder Hörverlust eine Demenz. Es geht also um Wahrscheinlichkeiten und Risiken, nicht um Gewissheit. Deshalb spricht der Gesundheitsrat lieber von einer Verringerung des Risikos als von einer Verhinderung von Demenz. Die Erkrankung entsteht wahrscheinlich über viele Jahre hinweg und durch ein komplexes Zusammenspiel von Alter, genetischer Veranlagung, körperlicher Gesundheit, Lebensstil und Umwelt.

Zum Schluss

Was aus dem aktuellen Wissensstand vor allem hervorgeht, ist, dass das, was gut für Herz und Blutgefäße ist, häufig auch gut für das Gehirn ist. Nicht zu rauchen, sich ausreichend zu bewegen, Bluthochdruck und Diabetes gut behandeln zu lassen, Übergewicht zu vermeiden, nur mäßig Alkohol zu trinken und Hörprobleme ernst zu nehmen, sind daher sinnvolle Maßnahmen. Sie bieten keine Garantie dafür, dass du keine Demenz bekommst. Aber sie können auch in anderen Bereichen zu einer besseren Gesundheit beitragen.

Demenz, Alzheimer, Gedächtnis, Demenzrisiko
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