
Sieht mein Kind richtig? Alles, was du über ein „träges Auge“ wissen musst
Leestijd: 6 minutenEin träges Auge, medizinisch Amblyopie genannt, ist eine Sehschwäche, bei der sich ein Auge in der Kindheit nicht richtig entwickelt. Das Auge selbst ist meist gesund, doch das Gehirn verarbeitet die Bilder dieses Auges schlechter. Dadurch sieht die betroffene Person mit einem Auge deutlich schlechter. Eine Brille oder Kontaktlinsen können dieses eingeschränkte Sehen allein nicht vollständig verbessern. Amblyopie entsteht fast immer im frühen Kindesalter, meist vor dem achten Lebensjahr. Wird ein träges Auge nicht rechtzeitig behandelt, kann der Sehverlust dauerhaft bestehen bleiben.
Wie entsteht ein träges Auge?
Ein träges Auge entwickelt sich, wenn das Gehirn über längere Zeit zwei unterschiedliche Bilder erhält und sich dafür entscheidet, das Bild eines Auges zu „ignorieren“. Dafür gibt es verschiedene Ursachen:
1. Schielen (Strabismus)
Beim Schielen sind die Augen nicht auf denselben Punkt ausgerichtet. Das Gehirn erhält zwei unterschiedliche Bilder. Um Doppelbilder zu vermeiden, unterdrückt es das Bild eines Auges – dieses Auge kann dadurch träge werden.
2. Großer Unterschied in der Sehstärke beider Augen
Ist ein Auge zum Beispiel stark kurz- oder weitsichtig und das andere nicht, verlässt sich das Gehirn hauptsächlich auf das besser sehende Auge. Das schwächere Auge wird zu wenig genutzt. Wird dieser Unterschied nicht rechtzeitig mit einer Brille korrigiert, entwickelt sich das Sehvermögen des schwächeren Auges nicht weiter. In schweren Fällen kann das Sehen damit sogar „verlernt“ werden.
3. Augenerkrankungen
Wird das Sehen eines Auges beeinträchtigt – etwa durch einen angeborenen Grauen Star, ein herabhängendes Augenlid oder schwere Augenveränderungen an Netzhaut oder Glaskörper – kann sich das Auge nicht normal entwickeln.

Symptome eines trägen Auges
Ein träges Auge verursacht oft kaum Beschwerden, besonders bei kleinen Kindern. Sie kennen es nicht anders und empfinden ihr Sehen als normal. Mögliche Anzeichen sind:
schlechteres Sehen mit einem Auge
Probleme beim räumlichen Sehen (z. B. beim Ballspielen)
Schielen
schiefes Halten des Kopfes
Zusammenkneifen eines Auges bei hellem Licht oder Anstrengung
schulische Probleme, weil z. B. die Tafel schlecht gesehen wird
Da Kinder sich gut anpassen, fällt das Problem ihnen selbst häufig nicht auf.
Wie wird ein träges Auge festgestellt?
Die Diagnose wird von einer Augenärztin, einem Augenarzt oder einer Orthoptistin bzw. einem Orthoptisten gestellt (Spezialist:innen für Augenstellung und beidäugiges Sehen). Zu den Untersuchungen gehören unter anderem:
- Messung der Sehschärfe jedes Auges
- Untersuchung der Augenstellung
- Bestimmung der Brillenstärke
- Kontrolle der inneren Augenstrukturen
Wie wird ein träges Auge behandelt?
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Besonders wirksam ist die Therapie vor dem achten Lebensjahr, da sich das Sehvermögen in dieser Phase noch stark entwickelt. In manchen Fällen sind auch später noch Verbesserungen möglich, allerdings nicht immer.
Behandlungsmöglichkeiten sind:
Brille oder Kontaktlinsen
Liegt ein Unterschied in der Sehstärke zugrunde, kann eine Brille oder – in bestimmten Fällen – Kontaktlinsen helfen, das Sehen zu verbessern und das Gehirn anzuregen, beide Augen zu nutzen.
Abkleben des guten Auges
Das besser sehende Auge wird für einige Stunden am Tag mit einem speziellen Augenpflaster abgedeckt. Dadurch wird das träge Auge gezwungen zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Wie lange das Pflaster täglich getragen werden muss, hängt vom Alter des Kindes ab: Je älter das Kind, desto länger dauert die tägliche Abklebzeit.
Behandlung mit Augentropfen
Manchmal werden Augentropfen eingesetzt, die die Pupille des guten Auges erweitern. Dadurch wird das Sehen in diesem Auge vorübergehend unscharf, sodass das träge Auge stärker gefordert wird.

Behandlung der Ursache
In einigen Fällen kann die Ursache operativ behandelt werden, zum Beispiel bei Schielen, Grauem Star oder einem herabhängenden Augenlid.
Kann ein träges Auge vollständig heilen?
Ein träges Auge kann sich deutlich verbessern, vor allem bei früher Behandlung. Eine vollständige Heilung ist jedoch nicht immer möglich. Eine rechtzeitige Therapie kann aber bleibenden Sehverlust verhindern.
Bei Erwachsenen ist eine Behandlung schwieriger, da die visuelle Entwicklung dann bereits abgeschlossen ist. Zu neuen Therapieansätzen wird derzeit noch geforscht.
Leben mit einem trägen Auge
Menschen mit einem trägen Auge können meist ein ganz normales Leben führen. Häufig ist jedoch das räumliche Sehen eingeschränkt. Berufe oder Sportarten, bei denen ein sehr gutes beidäugiges Sehen erforderlich ist, können schwieriger sein.
Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, wenn das gesunde Auge verletzt wird. Deshalb ist es wichtig, dieses Auge gut zu schützen, zum Beispiel durch das Tragen einer Schutzbrille bei riskanten Aktivitäten.
Zum Schluss
Ein träges Auge ist eine häufige, aber oft unentdeckte Sehschwäche bei Kindern. Früherkennung und rechtzeitige Behandlung sind entscheidend, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Regelmäßige Augenuntersuchungen sowie Aufmerksamkeit von Eltern, Lehrkräften und medizinischem Fachpersonal spielen dabei eine zentrale Rolle.