Wie gut sind wir vor Infektionskrankheiten geschützt?
Leestijd: 8 minutenWie gut sind wir eigentlich vor Infektionskrankheiten geschützt? Und wirkt eine Impfung auch Jahre später noch ausreichend? Diese Fragen sind nicht einfach mit einem einzigen Wert zu beantworten. In Deutschland wird der Impfschutz der Bevölkerung auf verschiedene Weise überwacht. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Robert Koch-Institut (RKI), die Ständige Impfkommission (STIKO) und die Gesundheitsämter.
Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Menschen geimpft sind. Entscheidend ist auch, welche Impfungen empfohlen werden, wie sich die Impfquoten entwickeln und wie häufig bestimmte Infektionskrankheiten tatsächlich auftreten.
Wie wird der Impfschutz überwacht?
In Deutschland gibt es keinen direkten Ersatz für das niederländische PIENTER-Programm. Stattdessen wird der Schutz der Bevölkerung über verschiedene Systeme und Untersuchungen beobachtet.
Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und der öffentlichen Gesundheit. Die Ständige Impfkommission (STIKO) entwickelt Impfempfehlungen für die Bevölkerung. Die Empfehlungen werden regelmäßig überprüft und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.
Der aktuelle deutsche Impfkalender für 2026 umfasst Impfungen und andere Formen der Immunisierung für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dabei werden sowohl Grundimmunisierungen als auch Auffrisch- und Nachholimpfungen berücksichtigt.
Warum ist ein aktueller Impfkalender wichtig?
Der Schutz vor Infektionskrankheiten ist nicht statisch. Impfempfehlungen können sich verändern, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, sich Krankheitserreger verändern oder sich die epidemiologische Situation verändert.
Deshalb überprüft die STIKO ihre Empfehlungen regelmäßig. Für 2026 wurden beispielsweise Empfehlungen zu RSV, Influenza, Meningokokken, Pneumokokken, Herpes zoster, Mpox und weiteren Infektionen aktualisiert oder angepasst.
Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle. Einige Impfungen werden bereits im Säuglingsalter empfohlen, andere im Kindes- oder Jugendalter. Für Erwachsene gibt es ebenfalls Standard-, Auffrisch- und Nachholimpfungen. Der Impfstatus sollte deshalb nicht nur bei Kindern, sondern in jedem Lebensalter überprüft werden.

Welche Impfungen sind besonders wichtig?
Der deutsche Impfkalender umfasst zahlreiche Impfungen. Dazu gehören beispielsweise Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Pneumokokken. Für Kinder werden unter anderem auch Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken empfohlen.
Bei Erwachsenen spielen unter anderem Impfungen gegen Influenza und COVID-19 eine Rolle. Für bestimmte Altersgruppen und Risikogruppen gibt es zusätzliche Empfehlungen, beispielsweise gegen Herpes zoster oder Pneumokokken. Auch der Schutz vor RSV ist inzwischen Bestandteil der deutschen Empfehlungen.
Welche Impfungen für eine Person sinnvoll sind, hängt dabei unter anderem vom Alter, vom Gesundheitszustand, von früheren Impfungen und von bestimmten individuellen Risiken ab.
Schutz vor Masern: ein Beispiel
Masern zeigen besonders deutlich, warum ein hoher Impfschutz in der Bevölkerung wichtig ist. Die STIKO empfiehlt in Deutschland für Kinder zwei Impfungen gegen Masern, normalerweise als Kombination gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR).
Die erste Impfung wird im Alter von 11 Monaten empfohlen, die zweite ab einem Alter von 15 Monaten. Auch für bestimmte Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und keinen ausreichenden Impfschutz haben oder deren Impfstatus unklar ist, gibt es eine Impfempfehlung.
Darüber hinaus gibt es in Deutschland gesetzliche Regelungen zum Masernschutz, insbesondere für bestimmte Einrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen.

Reicht es aus, einmal geimpft worden zu sein?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei manchen Impfungen hält der Schutz sehr lange an, während bei anderen Impfungen Auffrischungen notwendig sein können.
Deshalb empfiehlt die STIKO je nach Impfstoff und Erkrankung unterschiedliche Impfschemata. Im aktuellen Impfkalender finden sich beispielsweise Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten. Für Influenza und COVID-19 sind für bestimmte Personengruppen regelmäßige Impfungen vorgesehen.
Das bedeutet auch: Wer schon vor vielen Jahren geimpft wurde, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass der eigene Impfstatus noch vollständig aktuell ist.
Nicht nur Impfungen schützen vor Infektionen
Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil des Infektionsschutzes, aber nicht die einzige Maßnahme. Auch Hygiene, gute medizinische Versorgung, Früherkennung und die Überwachung von Infektionskrankheiten spielen eine wichtige Rolle.
Das RKI sammelt und bewertet Daten über Infektionskrankheiten. Dadurch können Veränderungen frühzeitig erkannt werden. Wenn beispielsweise bestimmte Infektionen häufiger auftreten, können Behörden und Fachleute die Situation genauer untersuchen und gegebenenfalls Maßnahmen anpassen.
Auch neue Krankheitserreger können eine Herausforderung darstellen. Die Erfahrungen mit COVID-19 haben gezeigt, wie schnell sich eine Infektion weltweit ausbreiten kann und wie wichtig ein funktionierendes System zur Überwachung von Krankheiten ist.
Was bedeutet das für uns im Alltag?
Für die meisten Menschen bedeutet der Infektionsschutz vor allem, den eigenen Impfstatus im Blick zu behalten. Der deutsche Impfkalender kann dabei eine Orientierung geben. Fehlende Impfungen können je nach Alter und Situation nachgeholt werden.
Wer unsicher ist, ob der eigene Impfschutz noch vollständig ist, kann den Impfpass gemeinsam mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson überprüfen lassen.
Dabei sollte man nicht nur an Kinderimpfungen denken. Auch Erwachsene benötigen je nach Alter und persönlicher Situation bestimmte Impfungen oder Auffrischungen.
Deutschland beobachtet den Infektionsschutz kontinuierlich
Anders als beim niederländischen PIENTER-Programm gibt es in Deutschland also nicht die eine große Untersuchung, die regelmäßig den gesamten Immunitätsstatus der Bevölkerung erfasst.
Stattdessen setzt Deutschland auf verschiedene Bausteine: Impfempfehlungen der STIKO, die Überwachung von Infektionskrankheiten durch das RKI, Impfquoten und weitere wissenschaftliche Untersuchungen.
Dieses System wird regelmäßig weiterentwickelt. Die STIKO hat beispielsweise für 2026 ihren Impfkalender und weitere Impfempfehlungen aktualisiert.
Für die Bevölkerung bedeutet das vor allem: Der Schutz vor Infektionskrankheiten ist keine einmalige Angelegenheit. Impfungen, Impfstatus und Empfehlungen sollten regelmäßig überprüft werden. Denn sowohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse als auch die Situation bei den Infektionskrankheiten können sich im Laufe der Zeit verändern.
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) / Ständige Impfkommission (STIKO)